Ganz starke getanzte Bilder

31.01.2020 - von Dennis Scheu
Performance Das Publikum erlebte bei „Black Out – The Digital Dance Show“ intensive Choreographien in
perfekter Symbiose mit modernen Effekten. Von Dennis Scheu
Enttäuschung und auch ein bisschen Trauer stellen sich ein in der Inszenierung zu Black Out am Donnerstag
im Theater am Ring. Enttäuschung darüber, dass das Licht wieder geht, dass der Black Out, der Stromausfall,
beendet ist und die sechs Darsteller den schemenhaften Bahnhof auf der Bühne wieder verlassen können.
Denn was sich in der Zeit ohne Strom ereignet hat, war so magisch, so zauberhaft, dass man angerührt im
roten Sessel sitzt.

Bilder, die ins Herz gehen

Black Out ist ein Spektakel, ein Faszinosum: In einer Mischung aus Tanz, Choreografie und modernsten
audiovisuellen Effekten entstehen Bilder, die ins Herz gehen. Auf ganz unterschiedliche Weise: mal lustig und
humorvoll, mal beinahe lyrisch und gefühlvoll und mal so richtig lebendig und animierend.

Das Setting liefert nur das Grundgerüst: Sechs Tänzer stranden an einem Bahnhof, als der Strom ausfällt und
sie plötzlich im Dunkeln stehen. Nicht einmal die Smartphones mit ihren Nullen und Einsen können da noch
Ablenkung schaffen. Da zückt plötzlich einer einen Leuchtstab und los geht es mit diesem Gesamtkunstwerk
in die Welt der Phantasie und des Träumens.

Geschichten vom Alleinsein
In Perfektion getimt und beeindruckend aufeinander abgestimmt verschmelzen 3D-Beamerprojektion, Lichtinstallation und Tanzchoreografie zu einem Inszenierungsmonstrum, das sofort in Bann schlägt. Mitzu einem Inszenierungsmonstrum, das sofort in Bann schlägt. MitLeuchtstäben, Koffern und Schildern, aber vor allem mit ihren Körpern und den Projektionen erzählen diePerformer Geschichten vom Alleinsein, von der Schönheit der Natur, der Zerstörung durch den Menschen,der Macht und der Faszination neuer Technologien und der Kraft der Freundschaft. Märchenhaft und faszinierend.

In fremde Welten träumen

In fremde Welten träumenDa spielen sich Dramen ab und folgen auf leise Momente des Innehaltens, wenn sich die Tänzerin derFlowmotion Dance Company in fremde Welten träumt. Berührend gerät der Contemporary des Solotänzers,der emotional nach Anerkennung und Nähe zu suchen scheint. Diese Passagen sind deshalb so stark, weil dieInszenierung ungemein ästhetisch ist und auf abstrakte und deshalb so eindrückliche Weise Bilder undGefühle vermittelt. So entstehen magische Illusionen, bildgewaltige Dramen, aber auch liebliche Spielereienin Momenten des Wiedererkennens, wenn plötzlich Supermario über die Bühne wetzt und der Pac-Man inder Projektion auf den tragbaren Flächen Dinge frisst. Lustig und originell, kreativ und einfach nur klassegemacht, sodass die Ästhetik tatsächlich schwer zu beschreiben ist.

Außergewöhnlicher Moment

Außergewöhnlicher MomentAber eines ist leicht nach dieser Vorstellung: Die Feststellung, dass das ein außergewöhnlicher Moment imTheater am Ring war – nicht nur, weil der Saal so voll wie selten in der Jugendtheaterreihe war, sonderneinfach, weil man das Gefühl hat, etwas Besonderes miterlebt zu haben. Stilles Geschichtenerzählen mit ganzstarken Bildern.

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